Liebe SG Bieler
Begeisterung. Sie ist der Motor hinter unserem schönen Segelflugsport. Sie steht auch am Anfang unseres Vereins vor genau 80 Jahren, als ein paar Enthusiasten im Jahr 1931 nach dem Vortrag des berühmten Segelfliegers Kronfeld in Biel beschlossen, hier einen Segelflugverein zu gründen. Es waren harte Zeiten, damals: Die Welt steckte in der Wirtschaftskrise und das Geld war knapp. Segelflugzeuge konnte man nicht „ab der Stange“ kaufen, sondern musste sie selber bauen. Aber die Begeisterung siegte – die Segelfluggruppe Biel wurde gegründet. Von null auf. Ohne dass die Gründer vorher je selber in einem Segelflugzeug gesessen hatten! Eine Gemeinschaft Begeisterter bildete sich, denn einer allein konnte sich weder ein Flugzeug bauen noch einen Flugplatz leisten. Einer allein konnte auch nicht selber schulen und sich schon gar nicht alleine ohne Motor hoch in den Himmel hinauf bringen.
Noch heute ist es so: Einer allein kann den Segelflugsport nicht betreiben. Zwar gibt es mittlerweile selbststartende Segelflugzeuge. Nicht alle vermögen aber einen solchen Apparat. Auch sie brauchen einen Flugplatz. Auch der Selbststarterpilot muss einmal eine Segelflugausbildung gemacht haben. Zwar kann man das heute (mindestens theoretisch) alles einkaufen, statt es im Rahmen eines Vereins auszuüben: Die Kosten (Profi-Flugschule, Profi-Flugplatz, Profi-Unterhalt) steigen aber dann schnell in Höhen, welche unseren Sport für weite Teile der Gesellschaft unerschwinglich machen würden. Auf unserem Flugplatz liesse sich ein solches Profi-Unternehmen kaum rentabel betreiben. Ich bin zudem der festen Überzeugung, dass die hinter unserem Sport stehende Begeisterung wesentlich besser aufgehoben ist und länger währt in einem selbsttragenden Verein begeisterter Piloten als in einer rein am Geld ausgerichteten Struktur. Ich bin daher überzeugt, dass unser Verein auch heute noch die zeitgemässeste, kosteneffizienteste, sozial fairste und nachhaltigste Lösung ist, um unseren Sport zu betreiben und die damit verbundene Begeisterung zu erhalten. Tragen wir also Sorge zu dieser 80 Jahre alten, aber noch lange nicht veralteten Gemeinschaft der Thermikritter.
Und die Begeisterung ist zweifellos heute noch vorhanden: Ich sehe sie in den Augen der Flugschüler, wenn sie am morgen vor den Maschinen stehen. Ich sehe sie in den Augen der alten Cracks, wenn sie ihre Geschichten erzählen oder von einem langen Flug zurückkehren. Ich spüre sie selber, wenn ich auf einer Wanderung im Gebirge plötzlich hoch oben im Himmel eines jener filigranen weissen Kreuze vorbeiziehen sehe. Es ist diese Begeisterung, die zählt und für die wir auch heute unsere diversen Ämtli, Pflichten und „sauren Äpfel“ im Vereinsleben in Kauf zu nehmen gewillt sind.
Nach einem etwas verhaltenen Start der Saison – trotz gutem Flugwetter war die Auslastung der Flotte und des Flugplatzes in den Monaten April, Mai und Juni sehr dürftig - hat der Funke der Begeisterung nun auch unsere Piloten erfreulicherweise wieder auf einer breiteren Basis erfasst. An den letzten drei Wochenenden war bei Flugwetter jeweils die ganze Flotte in der Luft und unsere Schleppis hatten einen regen Betrieb. Ich hoffe, dieser Aufwärtstrend hält auch in den nächsten Monaten an – fliegt also, was das Zeug hält!

Euer "Vereinsmuni"
Pädu