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Bericht von Delia Flury, 08.05.2018

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Für den Sonntag, 29.04.2018 ist starker Südföhn in der Schweiz und Thermik im den östlichen Alpen angekündigt. Dies kombiniert mit 15 Stunden Tageslicht sind ideale Bedingungen für einen grossen Flug. Ich freue mich auf den hinteren Sitz im Arcus und der Arcus freut sich auf die neue Umgebung. Trotz grosser Vorfreude bin ich nervös, denn es ist mein erster Föhnflug. Ich weiss noch nicht wie mein Magen auf einen längeren ruppigen Flug reagiert. Wir richten uns so ein, dass uns keine Gegenstände um die Ohren fliegen. Viele Kleider mit der Zwiebeltechnik sowie elektrische Heizsocken sollen mir helfen mich in den erwarteten Temperaturen von viel zu heiss (30° am Hang) bis bitterkalt (-30° auf 5000müM) wohl zu fühlen.

Abends bereiten wir uns vor, indem wir die Karte von der Schweiz und von Österreich studieren. Wo sind die Lufträume, welche Flugfläche ist wo erlaubt, wo steht der Hochkönig? Die Frequenzen werden notiert zusammen mit einem ungefähren Zeitplan und den Zeiten von Sunrise und Sunset. Auf Seeyou plant Yves den folgenden Dreiecksflug: Altdorf – Eiger – Admont – Altdorf. Zu den Karten gehört die Föhnkarte, welche Yves zusammen mit Beni Bachmaier entworfen hat. Diese hilft mir, mich im Flug immer wieder zu orientieren.

 

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Um 5 Uhr fahren wir los zum Flugplatz und bereiten den Arcus vor. Martin Rossel erscheint um 5:45 um uns schleppen zu können. Da funkt uns aber der dichte Nebel dazwischen. Wir müssen bis 8.30 warten. Regelmässig schauen wir uns die Windmessung in Altdorf an. Der Föhn wartet bereits auf uns. Schliesslich lichtet sich der Nebel und gibt uns den Start frei. Dinu schleppt uns bis vor die CTR Emmen, wo wir auf 3000m klinken und via Urmiberg nach Altdorf abgleiten. Yves funkt routiniert mit Zürich Delta, so können wir in der ersten Welle im A9 bis 15000ft (4550müM) steigen. Bis zum ersten Wendepunkt beim Eiger können wir die Höhe mit 2-3 weiteren Wellen halten und verlängern die Strecke, weil es gerade so gut geht. Als ich ein S versuche zu fliegen realisiere ich, wie stark der Wind uns versetzt. Es fällt mir schwer, mir die Welle und den Aufwindbereich vorzustellen. Hier hilft das Moving-Map. Bei Yves laufen diese Kniffe intuitiv ab.

Ziemlich bequem geht’s Richtung Innsbruck mit maximaler Höhe von 16000ft. Die Wolken- und Wellenstrasse mit schönen Lentis im Norden lassen wir stehen und wählen einen südlicheren Kurs. So überbrücken wir die schwierige Strecke über den Arlbergpass. Von ruppigen Rotoren bekomme ich nicht viel mit, die Einstiege in die Wellen sind sehr direkt und ruhig. Ground Speeds von bis zu 300 km/h drücken unseren Schnitt über die ersten 400 km auf 150 km/h. Bei Landeck entscheidet Yves, nördlich der TMA Innsbruck zum Hang zu fliegen. Der Hang trägt schon und bald verlangen wir das Crossing Richtung Süden. Auf der Föhnkarte zeichnet sich ein schwieriges Zwischenstück beim Zillertal ab, wobei der Föhn hier an Stärke massiv abgibt. Ab nun ist Thermik angesagt. Über das Zillertal hinweg fliegen wir zum Hochkönig. Erst dort können wir thermisch wieder richtig anhängen.

 

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 Mit 3-4 Schläuchen erreichen wir den Wendepunkt Admonterhaus. Wir entscheiden uns nicht zu verlängern, da jetzt doch noch 555km zwischen uns und unserem Heimatplatz Courtelary liegt. Beruhigend ist der Vorsprung von einer halben Stunde zu unserem Zeitplan.

Thermisch folgen wir unserer Spur vom Hinweg, wobei wir etwas nördlicher beim Wilden Kaiser vorbeifliegen. Vor Innsbruck wartet eine grosse Abdeckung auf uns, welche zu einem unangenehm langen Gleitflug führt. Am Hang entlang lassen uns die Flieger vor uns nicht viel Steigen erhoffen. Erst kurz vor Innsbruck steigen wir auf 2000m in einem bockigen Schlauch auf und der gleichzeitig wieder zunehmende Föhneinfluss hat uns wieder fest im Griff. Auf 2300m trägt der Hang und lässt uns weiter vorfliegen. Richtung Arlbergpass wird die Sicht nicht besser, das Steigen schlechter und Regen hilft da auch nicht. Die Hänge sind nicht quer, sondern längs der Windrichtung ausgerichtet, sodass wir diese Strecke gleiten müssen. An einer südwestlich ausgerichteten Flanke nach Landeck finden wir wieder gutes Steigen und wir bestaunen die düstere Stimmung mit Regenbogen. Die Höhe reicht aus für einen komfortablen Überflug des Arlbergpass. Über dem Arlberg zeigt das LX9000 die magische vierstellige Zahl an. 1000km. Endlich.

 

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Durch die Bastelei auf dem Rückweg und den Gegenwind waren wir wieder deutlich langsamer unterwegs und somit wieder genau im Zeitplan. Mir wird etwas leichter ums Herz als wir aus dem Tal fliegen und bei Bludenz in der Welle wieder aufsteigen können. Bis Flight level 180 (5500müM) wird uns die Sicht auf ein dichtes Wolkenmeer freigegeben, welches sich rasch verändert, auf- und abbaut. Kurz vor dem Klausenpass werden die Wolken so dicht, dass wir uns entschliessen unter die Wolken zu sinken und einen Umweg Richtung Norden zu machen. Auch die nördlichen Hänge tragen und wir steigen nochmals auf 3‘300m. Dies sollte reichen, um das Dreieck bei Altdorf zu schliessen. Die 13 km nach Altdorf gegen den Wind haben es in sich und wir verlieren 1‘000m. Ohne Arcus und Wasser wäre das nicht machbar gewesen. Nachdem nun auch das deklarierte Dreieck geschlossen ist, hangeln wir uns vom Rigi zum Pilatus und dann weiter Richtung Burgdorf. Der Regen scheint uns im Nacken zu sitzen, wenn man dem Regenradar Glauben schenken will. Unter der TMA Bern zünden wir bei Pieterlen den Motor, tuckern ohne Regen gemütlich durch die Taubenlochschlucht und gleiten zum direct Approach nach Courtelary ab. Wie eine 90- jährige bastle ich mich nach fast 12 Stunden aus dem Flieger raus. Nach einigen Versuchen sind auch meine Beine wieder funktionsfähig und tragen mich. Erschöpft aber glücklich fallen wir uns in die Arme. Was für ein lehrreicher, entspannter erster Föhnflug. Danke Yves! Dieser Flug hat mich motiviert und ich hoffe, dass mein nächster Wellenflug nicht lange auf sich warten lässt.

Ein riesen Dankeschön geht an Dinu Rossel für den frühen Schlepp und seine Geduld mit der Warterei.

 

Und hier noch der link: https://www.onlinecontest.org/olc-3.0/gliding/flightinfo.html?dsId=6339268

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