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Am Sonntag 15. Oktober passierte es wieder! Das Föhndiagramm auf meteocentrale.ch meldet Föhn für Donnerstag und Freitag. Grund genug , die Schule zu schwänzen.

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Für einen Föhnflug ist die Organisation für mich jeweils deutlich grösser, als für einen normalen Streckenflug. Ich freue mich wirklich darauf, später einmal viel Zeit, ein eigenes Auto mit Anhängerkupplung und einen Flieger mit Gleitzahl und Flächenbelastung 100 zu besitzen! Träumen bringt mich leider weder in die Luft noch in den Föhn. Also versuchte ich es mit Telefonieren und hatte Glück: Ralph Bader war mit seinem Nimbus 4DM von Fricktal nach Hausen am Albis gefahren um Föhn zu fliegen und erklärte sich bereit, mich am Donnerstag mit zu nehmen. Am Freitag durfte ich mit Rainer Cronjäger mit fliegen.

Zwei Tage Föhnfliegen ohne selbst Flugzeug, Auto, Demontage und Montage organisieren zu müssen... Perfekt!

Donnerstag:

Ich traf mich um halb sieben mit Ralph auf dem Flugplatz in Hausen am Albis. Weil die Motorsteuerung von seinem Nimbus gerade in Revision war, wurden wir geschleppt. Noch vor acht Uhr waren wir in der Luft. Der Einstieg zwischen Altdorf und dem Klausenpass war nicht einfach. Doch nach 20 Minuten findet Ralph den ersehnten Rotor und bewies, dass er seine 26.5 Meter Spannweite auch bei den anspruchsvollsten Manövern im Griff hat. Oberhalb des Rotor kam lehrbuchmässig die Welle, welche uns auf komfortable 4'500 m ü. M. brachte. In unserem Fall ein Ticket nach Bad Ragaz.

Der Föhn war extrem trocken. Da, wo man normalerweise Rotorwölkchen, Lentis und Föhnlücken beobachten konnte war es blau. Das bescherte uns eine wunderbare Aussicht von der bedeckten Po-Ebene bis weit hinter den Jura. Aber ohne Wolken war das Finden von 

 

Aufwinden sehr schwierig. Je weiter östlich wir kamen, desto mehr drehte der Wind Richtung Westen. Das ist ungünstig, um ein Hangflugexperiment nach Innsbruck zu starten. Deshalb beschlossen wir, bei Bad Ragaz zu wenden und das Gebiet gegen Westen zu erkunden. Beim Rückflug bekamen wir eine kleine Kostprobe wie schnell der Föhn Höhe auch wieder vernichten kann. In weniger als 5 Minuten waren mehr als 1'000 Meter Höhe weg und die Suche nach Rotoren beginnt erneut. Ralph hat uns wieder ausgegraben und die Reise konnte weiter gehen.

Zurück in der Altdorf-Welle machten wir noch einmal Höhe und flogen dann weiter nach Andermatt, wo wir uns in einer kleineren Welle überlegten, ob wir nördlich Richtung Meiringen oder südlich ins Wallis fliegen wollen.

Bei Föhn fliegt eigentlich niemand ins Wallis. Aber gerade im Wallis waren die einzigen Wölkchen erkennbar. Diese wollten wir uns genauer anschauen. Das Wallis war absolut windstill und wieso es da eine Wolke hatte weiss ich bis heute noch nicht, denn Steigen war keines Vorhanden. Auf jeden Fall sah das nach einem ruhigen Abgleiten nach Sion aus. Mittlerweile hatten sich die schönen Lentis über dem Mt. Blanc auch wieder aufgelöst. Nicht wirklich optimal. Deshalb wendeten wir im Oberwallis vor Fiesch und gleiten zurück zum Grimselpass. Weil wir inzwischen schon viel Höhe verloren hatten, griff Ralph noch einmal in seine Trick-Kiste und zeigte, dass er nicht nur 6 m/s Rotoren beherrscht, sondern auch in 0.3 m/s Winterthermik einen Kilometer nach oben kurbeln kann. Ich nutzte die Zeit um den hellblauen Grimselsee in der Nachmittagssonne zu bewundern und schlief bald darauf ein.

Als ich eine halbe Stunde später aufwachte, hatte Meiringen die Mittagspause beendet und die erste FA-18 flog auf der anderen Talseite vorbei. Die Steigleistung dieses Jets hätten wir gut gebrauchen können. Aber Ralph kann das auch ohne Motor. Mit angenehmen 4'000 m ü. M. passierten wir den Furkapass und flogen via Andermatt Richtung Klausenpass. Wir waren beide etwas ratlos, wo wir noch gutes Steigen finden könnten. Mehrere Versuche zwischen dem Klausenpass und Elm scheiterten. Der Wind war merklich schwächer geworden und drehte noch mehr Richtung Westen ab.

Wir entschlossen uns via Glarus wieder nach Hausen a. A. zu fliegen. Nach rund sieben Stunden Flug war ich ziemlich erschöpft und bewunderte Ralph, der nach dem anspruchsvollen Flug absolut fit wirkte. An diesem Abend war ich ziemlich skeptisch, was den Föhn für den Freitag anging, weil er anscheinend noch weiter nach Westen abdrehen würde. Von mehreren Piloten habe ich gehört, dass Föhn mit zunehmender Westkomponente immer schlechter wird.

Rainer Cronjäger liess sich von all dem nicht beirren und sagte mir, dass er auf jeden Fall fliegen wird, weil er extra frei genommen hat.

Freitag:

Wenn Rainer sowieso fliegt, dann will ich sehen, wie er das macht. Er hat bereits mehrere Tausender im Föhn geflogen und nicht nur im Föhn extrem viel Erfahrung.

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Am Freitag war ich schon um 6 am Flughafen und schlief noch eine halbe Stunde im Auto, bis Rainer kam. Wir holten einen Duo Discus X von der Hangardecke herunter und machten ihn startklar. Leider gab es Nebel auf dem Flugplatz. Der Nebel verschwindet erst, wenn die Sonne ihn weg heizt. Wir nutzten die Wartezeit und bauten die ASH-25 auf.

Die Sonne ging auf, der Nebel lichtete sich und wir starteten. Weil wir erst eine Stunde nach der frühst möglichen Startzeit in die Luft kamen, will er keine Aufgabe ausschreiben und witzelt am Boden: „Wir können den Tausender auch so fliegen“. Diese Einstellung gefiel mir gut. Im Schlepp erklärt er mir seinen Start-Plan: Zuerst 2'300 auf 2'400 Meter ü. M. Steigen am Urmiberg, danach am westlichen Seeufer entlang bis nach Altdorf fliegen, da das Tal queren und dann in die Welle einsteigen. Natürlich funktionieren solche Pläne nicht immer. Bei Rainer anscheinend schon.

Das Wetter war immer noch blau und der Wind schien in Richtung und Stärke zu variieren. Wir flogen Richtung Landquart und querten das Rheintal. Durch das viele Geradeausfliegen hatten wir keine gute Windanzeige auf den Instrumenten. Aber viel Wind gab es da auf jeden Fall nicht. Alles war ruhig und so fiel der Entschluss jetzt möglichst weit in den Westen zu fliegen.

Über Bad Ragaz stand eine schöne Welle, die uns auf 4'000 Meter brachte. Das Faszinierende am Fliegen mit Rainer ist, dass er jederzeit zu wissen scheint, wo die Wellen stehen. Eine Welle über Elm und eine Rotor beim Klausenpass katapultierten uns zum Titlis. Dort stiegen wir in einer 5 m/s Welle von drei- auf viertausend Meter ü. M. und nahmen die nächsten tausend Meter im Geradeausflug mit. Solche Steigflüge im Geradeausflug wirkten sich positiv auf die Durchschnittsgeschwindigkeit aus, welche wegen dem starken Gegenwind auf 80 km/h gesunken war. Die Höhe nutzten wir um zur Jungfrau zu gleiten, zu wenden und mit Rückenwind zurück in die Welle zwischen Titlis und Engelberg zu fliegen. Vor dem Klausenpass zeigte mir Rainer, dass sich auch eine ASH-25 gut mit gefühlten 89° Querlage kreisen lässt. Die integrierten 6 m/s machten das ganze zu einem riesen Genuss!

Mit Rückenwind ging es zügig weiter Richtung Österreich. Rainer zeigte mir, wo die Welle steht (Hinter der Schesaplana über Schruns bei Bludenz), mit welcher man Anschluss hat an die Hangflugautobahn Richtung Innsbruck und noch weiter. Wegen der grossen Westkomponente wollte Rainer nicht in den Hangflug übergehen. Wir behielten also unsere Höhe und wir flogen in der Talmitte in einer sanften 0.5 m/s Welle über den Arlberg nach Landeck. Alles war so ruhig, dass man meinen konnte, der Wind habe uns ganz verlassen. Deshalb wendeten wir nach Landeck und waren froh, in einem Flugzeug zu sitzen, das in ruhigen Bedingungen sehr gut gleitet. Beim Rückflug Richtung Westen nutzten wird die Schesaplana-Welle voll aus, bis sie auf 6'000 m. ü. M. merklich schwächer wurde. Eine komfortable Höhe, um den Gegenwindschenkel zu beginnen.img 20121018 115231

Beim Durchqueren der A9 Luftstrasse holte uns die Skyguide-Kontroller von 5'000 auf 4'000 m ü.M. herunter. Deshalb hatten wir dieses Mal 1'000 Meter weniger Höhe beim Überfliegen von Meiringen. Wir konnten nun versuchen, ein zweites Mal bis zur Jungfrau zu fliegen oder bereits über Meiringen wenden. Wir wussten nicht richtig, wie weit wir noch fliegen müssten, um 1'000 km zu erreichen. Keines der Geräte, die wir an Bord hatten, waren in der Lage die OLC Distanz zu rechnen. Aber versuchen kann man es ja.

Wir wendeten vor Grindelwald und begannen somit unseren fünften Schenkel. Mit Rückenwind, ein bisschen weniger Höhe, aber immer noch vollem Tempo Richtung Österreich. An der Schesaplana machten wir noch einmal zweitausend Meter Höhe und flogen in angenehmen 5'000 m ü. M. in der sanften Welle nach Landeck. Da wendeten wir, weil die Zeit allmählich knapp wurde und flogen zurück zur Schesaplana. Diese Streckenteile über Österreichischem Boden genoss ich in vollen Zügen. Nebst dem, dass ich neues Gelände detailliert erklärt bekam, waren das jeweils Streckenabschnitte von über einer Stunde Geradeausflug, ohne zu kreisen.

Die Sonne stand schon sehr tief über dem Horizont, als Rainer noch einmal mehr als tausend Meter in merklich schwächerem Steigen aus der Schesaplana Welle heraus quetschte. Somit hatten wir gute tausend Meter Reserve für einen Endanflug von über 100 Km nach Hause(n). Wir wussten noch immer nicht, ob es 1000 km geben würde oder nicht. Jedoch spielte das in diesem Moment eine eher kleine Rolle. Der Endanflug über die Churfirsten und den Walensee währenddem im Westen die Sonne zwischen Jura und Wolkendecke durchschien war unbeschreiblich. Das gelb-rötliche Licht und das daraus entstehende Lichtspiel der Alpen führte uns sicher zum Flugplatz.

Beim Flugplatz angekommen, hatten wir noch genug Höhe um 20 km verlängern zu können. Rainer wollte das anscheinend auch machen. Wir flogen weiter Richtung Hallwilersee, auf die Wolke des AKW-Gösgen zu. Unter uns leuchteten bereits die Strassenlampen und Fussballplätze. Doch bereits nach 8 km Entfernung zu Hausen a. A. wendete Rainer und meldete Endanflug. Weshalb Rainer schon wendete verstand ich nicht. Vermutlich war ihm gerade seine Frau und sein „rechtzeitig zum Abendessen zurück sein“ Versprechen in den Sinn gekommen. Wir landeten 18 min vor Ende der bürgerlichen Abenddämmerung.

Nachdem die ASH ausgeräumt und verzurrt war, wagten wir einen Blick auf den inzwischen heruntergeladenen Flug, und siehe da: 1’002 km geflogen. Dies mit einem Schnitt von 108 km/h während 9h 40 min Flugzeit. Das war einer der schönsten und lehrreichsten Flüge, die ich bis heute gemacht habe. Unzählige Eindrücke und Bilder helfen mir den Winter zu überleben und motivieren mich noch einmal zusätzlich, alles daran zu setzen, irgendeinmal das gleiche fliegerische Niveau wie Rainer Cronjäger zu haben.

Vielen Dank an Rainer, Ralph und speziell an Ruedi Schneebeli. Denn ohne Schlepppilot, der bereits eine Stunde vor Sonnenaufgang auf dem Flugplatz ist, wären keine solchen Flüge möglich.

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