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Samstag, 6.7.2013: Endlich Sommerwetter! Schon am Briefing bläst jedoch eine starke Bise; die Luft ist für den Monat Juli eher kühl. Erste Cumuli erscheinen bereits um halb zehn, wie von Zauberhand gemalt; jedoch mit sichtbar tiefer Basis. Mit unserem PR Mann Navin im Rücken als Copilot und der DG 1000 unter dem Hintern starte ich ab Courtelary für einen Streckenflug Richtung Westen.

An der Nordkrete ist die Basis auf ca. 1600, grosszügig geschätzt. Vorsichtig tasten wir uns vorwärts Richtung Les Eplatures. Schon hier sind wir gefordert: Ein, zwei mal Absaufer, zurück Richtung Platz an den Hang, und hoch geht's wieder. Die Cumuli verdichten sich; die Basis steigt leicht an auf knapp 1700müM. Nun gelingt die erste Etappe des Streckenflugs nach Les Eplatures. Auch dort will vorsichtig geflogen sein: Wegen der starken Bise ist es schwierig, tief anzuhängen. Bisher hat jedoch alles geklappt, und so tasten wir uns in der Hoffnung auf eine steigende Basis weiter Richtung Westen, auf der Dritten Krete nördlich Les Eplatures, mit Fernziel Pontarlier im Kopf.

Wunderschön, diese Landschaft der Hochmoore und Hochebenen. Der Scharfsinnige hat es vielleicht schon gemerkt: Gerade weil die Moore und Ebenen in dieser Gegend aber eben hoch liegen, sind wir nun mit unseren knapp 1700m eher tief und haben wenig Spielraum: Zweimal fliegen wir Cumuli an, aber es gelingt uns nicht zu steigen. Schon sind wir nun sichtbar tief über bzw. im Hochtal von La Brevine. Wohin? Möglich wäre noch der Abflug runter ins Val de Travers. Dort ist es aber blau ohne geringste Wolkenbildung innert vernünftiger Reichweite. Auf der Krete Richtung Pontarlier haben sich weitere kleine Cumuli gebildet. Wind und Sonne stimmen: Also probieren wirs. Leichtes Schütteln, die Maschine steigt und mit ein paar Umdrehungen sind 50m gemacht. Plötzlich ist der Schlauch aber weg - verblasen von der Bise. Ich korrigiere den Kreis in die mutmassliche Aufwindrichtung. Nichts. Nächste Cumulus probieren, dem Hang entlang suchen. Da muss doch was gehen! Wieder das gleiche Spiel: 50m hoch, dann geht nichts mehr. Inzwischen sind wir so weit abgesunken, dass Val de Travers keine Option mehr ist. Wir schauen uns mal die Felder genau an: Navin macht ein schön langegezogenes Feld entlang der Hauptstrasse aus, direkt in Bisenrichtung liegend, frisch gemäht und soweit ersichtlich schön flach. Keine Zäune, keine Leitungen sichtbar. Ich versuche in der Zwischenzeit, den thermischen Hasen aus dem Hut zu zaubern. Erfolglos. Immer wieder: 50m hoch, dann wieder alles verblasen. Suchflug entlang dem Hang. Er liegt wohl zu genau längs zur Bisenrichtung. Suchflug über den Mooren und Feldern, Richtung Landefeld hin. Wieder ein, zwei, drei mal 50m und dann wieder nichts.

Gut, aussenlanden. Ich schlucke leer; lasse die Thermik Thermik sein und konzentriere mich auf die Landung. Downwind und letzter Blick aufs Feld für Hindernisse. Base über die Ortschaft hin. Final knapp neben dem Kirchturm vorbei, dann volle Bremsen raus und wir sinken wie ein Helikopter dank dem starken Gegenwind. Huiuiui: Da hat's ja noch einen stattlichen Hügel mit Bodenwellen am Anfang dieses Felds; danach alles schön flach. Bremsen wieder rein; Anflug strecken; Bodenwellen sind vorbei und Bremsen voll raus. Wir setzen auf und überholen einen ca. 100m nebenan in gleicher Richtung rollenden Traktor. Die Bauerstochter auf dem Traktor schaut uns an wie wenn wir Ausserirdische wären. Alles normal, holpert nicht mal speziell, leicht bremsen mit dem Rad. Wir stehen still. Vor uns noch mindestens ca. 500m Reserve. Ein ideales Feld, 50m nebendran die Hauptstrasse. Uff. Alles gut gegangen.

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Bild: Unser Schlachtross beim Grasen auf der Aussenlandewiese östl. La Brevine.

Der Bauer samt Tochter erscheint. Offenbar sind wir nicht die ersten, die dieses Feld als Landeplatz benützen. Der skeptische Blick und ein paar Bemerkungen verraten so einiges. Er ist uns jedoch freundlich gesinnt und zeigt uns, wo wir das Feld am besten verlassen um Landschaden zu vermeiden. Passanten kommen hinzu und lassen sich das Flugzeug erklären. Navin meldet uns per Telefon vom TWR Les Eplatures ab; die Zeit hatte nicht mehr für eine Abmeldung per Funk gereicht und vom Boden aus ist der TWR per Funk nicht erreichbar. 

Wir sehen andere Segelflieger hoch über uns daher ziehen; auch mein Bruder Dänu mit der Kestrel zieht hoch oben vorbei, gut erkennbar am charakteristischen Flugbild dieser einstigen Superorchidee. Wir plaudern kurz per Funk: Die Basis ist stellenweise auf 2'100 gestiegen: Offenbar läuft es nun besser oder die sind einfach etwas schlauer bzw. vorsichtiger als wir. Na nu. Hauptsache alles gut gegangen.

Telefonanruf auf den Platz: Dominik, Nadja und Fränzi Wyss erklären sich bereit, uns zu holen und fahren gleich los. Die kleine Fränzi freut sich über diesen Ausflug, den im Anhänger zu schlaf gelegten Flieger und all die Kühe entlang dem Weg (es hat tatsächlich sehr viele davon). Wir sind überfroh, so rasch wieder "entpannt" zu werden. Bereits um 1700 sind wir zurück in Courtelary. Navin geht nahtlos weiter ans Zürifäscht. Ich entspanne mich langsam, geniesse ein Bier vor der Buvette und schaue zu, wie zwei von anderen Plätzen aussengelandete Maschinen zurückgeschleppt werden. Offenbar waren wir nicht die einzigen, die heute etwas zu Knorzen hatten. Ende gut, alles gut.

Ganz herzlichen Dank der Familie Wyss für die Rückholerei!

Mit Segelfliegergrüssen,

Euer Präsi, Pädu

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